Österreichische Gesellschaft für Homöopathische Medizin

Homöopathie bei Neurodermitis, Asthma und Heuschnupfen – aktuelle Studie

Februar 8, 2017 von

Laut Robert Koch-Institut leiden 26 % der Kinder und Jugendlichen in Deutschland unter mindestens einer atopischen Erkrankung (Asthma bronchiale, Heuschnupfen, Neurodermitis) [1]. Hilfe für Betroffene bietet laut einer aktuellen Studie auch die Homöopathie [2].  Die Autoren schlossen einerseits 325 Kinder unter 14 Jahren in ihre Untersuchung ein, die aufgrund einer atopischen Erkrankung in der Homöopathischen Klinik des Campo di Marte Provinzhospitals in Lucca (Italien) behandelt wurden. Zusätzlich wurde eine Langzeitanalyse von 107 PatientInnen vorgenommen, deren Behandlung durchschnittlich 7,4 Jahre zurück lag.

Juckende Haut, brennende Augen oder Atemnot schränken die Lebensqualität der betroffenen Kinder – und somit auch diejenige ihrer Eltern – je nach Schwere der Beschwerden zum Teil erheblich ein. Typisch für diese Trias atopischer Erkrankungen ist, dass sie sich bei Kindern ineinander „verwandeln“ können, manchmal im Erwachsenenalter spontan ausheilen, oder aber auch in der ein oder anderen Form bis zum Lebensende bestehen bleiben. Die Theorien zur Krankheitsentstehung reichen von genetischen Faktoren, über immunologische Veränderungen bis hin zu verschiedenen Umwelteinflüssen und psychogenen Faktoren [3].

Die Therapie mit Mitteln der konventionellen Medizin besteht zumeist in der zeitweiligen Linderung von Symptomen mit Medikamenten wie Kortison, Bronchodilatoren, Antihistaminika etc., die nicht selten erhebliche Nebenwirkungen verursachen, vor allem in der Langzeitanwendung [4,5,6]. Und eine tatsächliche Heilung ist mit diesen Mitteln leider häufig nicht zu bewirken. Viele Betroffene wünschen sich daher eine kausale Therapie, die nicht lediglich die akute Beschwerden lindert, sondern möglichst auch im Stande ist, die chronische Neigung zu atopischen Erkrankungen dauerhaft zu beseitigen. Eine mögliche Therapieoption sehen viele PatientInnen bzw. deren Eltern in der Homöopathie, wie Umfragen immer wieder zeigen [7,8,9].

Aktuelle Studie: Methodik und Ergebnisse

325 Kinder erhielten eine ambulante Behandlung mit individuell ausgewählten Einzelmitteln, die von qualifizierten FachärztInnen mit einer mindestens dreijährigen homöopathischen Zusatzausbildung vorgenommen wurde. Das Studiendesign sah vor, dass konventionelle Therapiemaßnahmen nach Wunsch der PatientInnen zusätzlich durch- bzw. fortgeführt werden konnten. Es wurden für die primäre Beobachtungsstudie lediglich die Daten von 161 PatientInnen ausgewertet, die zu mindestens bei einer Zweituntersuchung nach wenigstens zwei Monaten homöopathischer Therapie vorstellig wurden. Für die Langzeituntersuchung von 107 PatientInnen musste die letzte Konsultation mindestens fünf Jahre zurückliegen. Der Behandlungserfolg wurde jeweils mittels der Glasgow Homeopathic Hospital Outcome Scale (GHHOS) gemessen [10]. Bei AsthmatikerInnen wurde die Lungenfunktion zusätzlich mittels Spirometrie überprüft.

Besserung in 90 Prozent der Fälle

Eine Verbesserung der relevanten Krankheitssymptome fand in 90 Prozent der Fälle statt. Als deutlich (GHHOS +2, +3, +4) wird diese Verbesserung bei 75,8 Prozent der PatientInnen angegeben. Kinder mit Heuschnupfen profitierten am häufigsten (84,2%), gefolgt von NeurodermitikerInnen (80,3%). Asthma konnte bei 67,2% der PatientInnen zumindest deutlich gelindert werden. Die Langzeitanalyse ergab, dass atopische Dermatitis in 32 von 38 Fällen vollständig zur Remission gebracht werden konnte. Dies war bei 13 von 27 Fällen allergischer Rhinitis und 30 von 42 mit der Diagnose Asthma der Fall. Über alle Indikationen hinweg galt, dass persistierende Symptomatiken größtenteils einen nur geringen Schweregrad aufwiesen. Die erzielten Therapieerfolge waren durchweg statistisch signifikant.

Fazit

In Übereinstimmung mit anderen Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass Kinder, die unter Neurodermitis, Heuschnupfen oder Asthma leiden, deutlich von einer homöopathischen Behandlung profitieren [11,12]. In vielen Fällen scheint sogar eine dauerhafte Heilung möglich zu sein. Die homöopathische Behandlung atopischer Erkrankungen im Kindesalter scheint außerdem gegenüber der konventionellen das Risiko zu senken, als Erwachsener Neurodermitis, Heuschnupfen oder Asthma zu entwickeln. Ein direkter Kausalschluss vom Behandlungserfolg auf die Wirkung potenzierter Arzneimittel kann aufgrund des Studiendesigns aus der vorliegenden Arbeit nicht gezogen werden, da es keine Placebovergleichsgruppe gab. Dies dürfte für Betroffene jedoch nicht im Vordergrund stehen, da die Homöopathie als eine besonders nebenwirkungsarme und sichere Therapieform bekannt ist [13].

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/globuli-gegen-neurodermitis-asthma-und-heuschnupfen.html

 

Literatur

  1. Website des Robert Koch-Instituts. http://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Zahl_des_Monats/Archiv2016/2016_7_Zahl_des_Monats.html
  2. Rossi E, Picchi E, Bartoli P, Panozzo M, Cervino C, Nurra L: Homeopathic therapy in pediatric atopic diseases: short- and long-term results. Homeopathy (2016). Abstract: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27473542
  3. Thomsen SF: Epidemiology and natural history of atopic diseases. European Clinical Respiratory Journal. 2015;2:10.3402/ecrj.v2.24642. doi:10.3402/ecrj.v2.24642. Abstract: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4629767/
  4. Lee JH, Son SW, Cho SH: A Comprehensive Review of the Treatment of Atopic Eczema. Allergy, Asthma & Immunology Research. 2016;8(3):181-190. doi:10.4168/aair.2016.8.3.181. Abstract: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4773205/
  5. Morales DR, Jackson C, Lipworth BJ, Donnan PT, Guthrie B: Adverse respiratory effect of acute β-blocker exposure in asthma: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Chest. 2014 Apr;145(4):779-86. Abstract: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24202435
  6. Bielory L, Lien KW, Bigelsen S: Efficacy and tolerability of newer antihistamines in the treatment of allergic conjunctivitis. Drugs. 2005;65(2):215-28. Abstract: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15631542
  7. Hughes R, Ward D, Tobin AM, Keegan K, Kirby B: The use of alternative medicine in pediatric patients with atopic dermatitis. Pediatr Dermatol 2007, 24(2): 118-120. Abstract: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17461804
  8. Slader CA, Reddel HK, Jenkins CR, Armour CL, Bosnic-Anticevich SZ: Complementary and alternative medicine use in asthma: who is using what? Respirology 2006, 11(4):373-387. Abstract: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16771907
  9. Simpson N, Roman K: Complementary medicine use in children: extent and reasons. Br J Gen Pract 2001, 51(472):914-916. Abstract: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1314149/
  10. Reilly D, Taylor M: The evidence profile: developing integrated medicine. Complement Ther Med 1993, 1(1):1-50. Abstract: http://www.homeopathyjournal.net/article/S1475-4916%2816%2900018-7/references
  11. Witt CM, Lüdtke R, Baur R, Willich S: Homeopathic Medical practice: long-term results of a cohort study with 3981 Patients. BMC Public Health 2005, 5, 115. Abstract: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16266440
  12. Rossi E, Bartoli P, Bianchi A, Da Fré M: Homeopathy in paediatric atopic diseases: long-term results in children with atopic dermatitis. Homeopathy 2012, 101:13-20. Abstract: http://www.homeopathyjournal.net/article/S1475-4916%2816%2900018-7/references
  13. Dantas F, Rampes H: Do homeopathic medicines provoke adverse effects? A systematic review. British Homeopathic Journal 2000, 89: 35-38. Abstract: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10939781