Österreichische Gesellschaft für Homöopathische Medizin

Homöopathische Begleittherapie für krebskranke Kinder

Januar 4, 2012 von

Interview mit Dr. Erfried Pichler

Die Diagnose Krebs ist immer auch ein Schockerlebnis für den betroffenen und seine Angehörigen – umso mehr wenn es sich bei dem Patienten um ein Kind handelt.

Dazu kommt die körperliche und psychische Belastung durch Chemo- oder Strahlentherapie, andere notwendige Medikamente sowie den oft langen Krankenhausaufenthalt. Homöopathische Arzneien können den Kampf gegen Krebs erträglicher machen und Körper und Psyche stärken.

Die Diagnose aus dem Blutbild und den sonografisch erkennbaren Organveränderungen ist bei den häufigsten kinderonkologischen Erkrankungen leicht zu stellen.

Die hämatoonkologischen Krankheitssymptome sind zumeist uncharakteristisch wie Müdigkeit, Schwäche, Infektanfälligkeit.

Dr. Erfried Pichler leitet seit 10 Jahren die onkologische Kinderambulanz im LKH Klagenfurt:“Die Homöopathie als Individualmedizin geht völlig auf den jeweiligen Patienten ein und widmet sich seinen ganz spezifischen Symptomen. Wir begeiten die jungen Patienten durch alle Phasen der Erkrankung bzw. Therapie.“

Welche homöopathischen Mittel werden angewandt?

Pichler: „Die Diagnosestellung, sowie das Herausgerissenwerden aus der gewohnten Umgebung in die schmerzerfüllte und beengte Welt des Krankenhauses stellt für einige Patienten eine Schocksituation dar. Bei entsprechender Symptomatik kann man daher an diese Arzneigruppe (Arnica montana, Aconitum napellus, Opium crudum, Strychnos ignatii, Delphinium staphisagria etc.) denken.“

Meist empfinden Vorschulkinder den Einschnitt in ihr gewohntes Leben nicht so belastend wie Schulkinder und Jugendliche. In dieser Altersgruppe wird aber die gesamte Verarbeitungspalette dieser Situationsproblematik erkennbar. Pichler: „Es zeigen sich Reaktionen von resignativ-depressiv bis hin zu selteneren egotistischen Empfindungen, die das Im-Mittelpunkt-stehen als Genuss empfinden.“

Häufig sind am Behandlungsbeginn Mineralien angezeigt, wobei immer wieder Phosphor in den Vordergrund tritt.

Pichler: „In der stationären Phase ist es das Ziel, den Organismus zu unterstützen um mit den potenten Chemotherapeutica gut umgehen zu können und vor allem die Psyche zu stabilisieren um ein seelisches Gleichgewicht aufzubauen. Als Nebenwirkungen der Chemotherapie lässt sich immer wieder ein aggressives Verhalten der jungen Patienten beobachten, das sich nach Nux vomica-Gaben häufig rasch vermindert.“

Während der stationären Zeit werden die Patienten durchgehend von einem Elternteil betreut Das ist für die Eltern eine meist starke Belastungssituation, die natürlich ebenfalls homöopathisch betreut werden kann.

Weiterbehandlung nach der Spitalphase ist wichtig

Die Intervallphase (Rückkehr in die Familie, ambulante Weiterbehandlung) wird wiederum sehr unterschiedlich erlebt. Pichler: „Hier ist eine Reaktionspalette von Rückzug und Resignation, über Zufriedensein, die Intensivtherapie absolviert zu haben, bis hin zum Mittelpunktdenken oder aggressivem Verhalten beobachtbar. In dieser Situation muss wir selbstverständlich die homöopathische Verordnung neu überdenken.“

Die schulmedizinischen Verlaufskontrollen werden meist in Abständen von drei, später 12 Monaten durchgeführt. Gerade in dieser Zeit ist die homöopathische Begleitung eminent wichtig, was aber von den Eltern nicht immer so empfunden, da für sie die „Krebstherapie“ beendet ist. Pichler: „Rund ein Drittel der Krebspatienten hat aber therapiebedingt organische Spätschäden, die durch eine homöopathische Behdnlung abgemildert werden können.“

Auch die Psyche ist oft leicht wieder zu erschüttern. Pichler: „Kindergarten- oder Schuleintritt, ein Wechsel des Schultypus mit Änderung des Freundeskreises, natürlich auch Pubertät und andere Belastungen, wie Familienprobleme, können diese Kinder und Jugendlichen wieder in neue Krisenphasen hineinmanövrieren. Diese Ereignisse sollten unbedingt homöopathisch unterstützt werden, damit so rasch wie möglich eine innere und äußere Harmonie wiederhergestellt wird.“

Kontakt: Dr. Erfried Pichler, LKH Klagenfurt, Abteilung für Kinderonkologie

St.Veiter Straße 47, 9020 Klagenfurt; Ordination: Herbertstraße 10, 9020 Klagenfurt,
Tel.: 0463 511573 Fax: Dw.: 4; e- mail: erfried.pichler@medway.at