Österreichische Gesellschaft für Homöopathische Medizin

Unsere Augen – der Spiegel der Seele

Januar 4, 2012 von

Augen und Sehen haben seit jeher eine besondere Bedeutung. „Auf einem Auge blind sein“ heißt nicht umsonst, einen wichtigen Aspekt des Lebens zu vernachlässigen oder zu negieren. Die Verbindung von Augen und Psyche ist das Weinen – z. B. als Ausdruck der Hilfesuche. Augenerkrankungen haben deshalb oft auch einen psychischen Aspekt, der auf Homöopathie besonders gut anspricht.

Dr. Jörg Hildebrandt

Unsere Augen machen viel mit. Früher waren die Menschen regelmäßig an der frischen Luft, Tag und Nacht wechselten in natürlichem Rhythmus, lange reizarme Ruhezeiten nützten auch unseren Sinnesorganen. Heute herrscht für die Augen ständige Reizüberflutung: Künstliche Lichtquellen, TV und Computer fordern das Augenlicht enorm, dazu kommen Staub, Ozon, und trockene Luft durch Heizung und Klimaanlage. Aber auch Stress, psychische Belastungen und andere organische Erkrankungen beeinflussen unsere Augen negativ.

Psychische Auslöser sind häufig

Augenarzt und Homöopath Dr. Jörg Hildebrandt: „Augenerkrankungen sind sehr oft Folgeerkrankungen bzw. Endpunkte anderer Probleme. Um die richtige Diagnose und beste Therapieform für jeden Patienten zu finden, braucht es viel Hintergrundwissen, Verständnis und Geduld. Immer wieder finden sich auch psychische Auslöser. So kann eine verdrängte, übergangene Trauer im wahrsten Sinne des Wortes die „Tränen versiegen“ lassen, unterdrückter Ärger einen „blind vor Wut“ werden lassen. Wenn man sich in der Vielzahl der Sorgen nicht mehr zurechtfindet, tritt vielleicht ein verstecktes Schielen auf und lässt alles doppelt erscheinen. Natürlich darf man aber organische Ursachen trotz seelischer Auslöser nicht übersehen.“

Hildebrandt greift im Praxisalltag immer wieder gern zur Homöopathie: „Die Homöopathie in ihrer klassischen Form ist auf den gesamten Menschen bezogen, nicht nur auf einzelne (Augen-) Symptome. Ich kann so eine Vielzahl anderer Beschwerden mitberücksichtigen. Die Behandlung der Augenerkrankung ist für den Patienten oft der Anstoß zu einer ganzheitlichen Therapie.“

Wichtig ist für Jörg Hildebrandt vor allem die Früherkennung: „Wenn das Auge aufgrund einer verpassten Früherkennung erblindet ist, können weder Schulmedizin noch Homöopathie helfen.“

Was sind die häufigsten Erkrankungen des Auges?

Trockene Augen (Keratokonjunktivitis sicca)
Gewöhnlich fühlt sich das Auge trocken an, die Patienten berichten von einem Sandkorngefühl. Die Augen ermüden rasch, sind gereizt und verklebt. Patienten mit trockenen Augen leiden seltsamerweise oft auch unter verstärktem Tränenfluss bei geringsten Reizen. (Nicht zu verwechseln mit verengtem Tränenkanal.) Was hilft? Jörg Hildebrandt: „Diverse befeuchtende Tropfen oder Gels bringen Linderung, gefäßverengende Tropfen schaden dagegen langfristig. Häufiger Lidschlag regt die natürliche Befeuchtung an, ebenso wie Gähnen. Luftbefeuchter schaffen ein günstiges Raumklima. Die Patienten sollten Klimaanlagen und Gebläse meiden, da sie weiter entfeuchten. Homöopathie oder Akupunktur können trockene Augen längerfristig heilen.“

Augenentzündungen
„Rote“ Augen können mehrere Ursachen haben: Bindehautentzündungen sind häufig, ebenso kleine Fremdkörper. Aber auch Lederhaut oder Regenbogenhaut können sich entzünden.

Weitere Möglichkeiten sind das akute Glaukom, eine Gefäßanomalie oder auch Migräne. – streichen. Jörg Hildebrandt: „Die Patienten sollten daher nicht immer sofort zu antibiotischen Salben greifen, sondern zuerst die Ursache medizinisch abklären lassen. Je tiefer im Auge die betroffene Schicht ist, desto hartnäckiger ist meist der Verlauf.“

Bei allen Formen der Entzündung (äußerlich, allergisch, autoimmun) ist für Hildebrandt die Homöopathie der Schulmedizin langfristig überlegen, braucht aber teilweise deren Unterstützung als Notbremse um Zeit für die Heilung zu gewinnen.

Chronische Augenerkrankungen
Jörg Hildebrandt: „Chronische Erkrankungen lassen sich besonders gut homöopathisch behandeln, zu Beginn sehr oft in Kombination mit rasch wirkenden schulmedizinischen Medikamenten, da es zuallererst gilt, einen bleibenden Schaden zu verhindern.“

So kann es bei einer Regenbogenhautentzündung zu massiven Verklebungen zwischen Iris und Linse kommen, der Augendruck kann plötzlich massiv ansteigen und neben den sehr starken Schmerzen auch bleibende Sehschäden hervorrufen. „Hier ist eine schulmedizinische Therapie oft unvermeidlich. Wenn es um die Ausheilung und Verringerung der Anfallsdauer und -Häufigkeit geht, erzielt die Homöopathie wieder gute Erfolge.“, so Jörg Hildebrandt.

Neurologische Störungen & Migräne
„Bei neurologischen Sehstörungen ist die Homöopathie eine ideale Methode, solange es sich nicht um Narben handelt, da die Sehnerven – als Teil des Gehirns – nicht nachwachsen können. Auch bei Sehstörungen (Flimmern, Zick-Zack-Bild), wie sie als so genannte Aura vor oder statt einer Migräne Attacke auftreten, ist die Homöopathie sehr erfolgreich.“, so Jörg Hildebrandt.

Diabetes mellitus
Ein hohes Risiko für Augenerkrankungen haben zuckerkranke Patienten. Bei schlechter Einstellbarkeit oder sehr schwankenden Blutzuckerwerten kommt es im Laufe der Jahre zu Blutgefäßwucherungen im Auge. Blutungen, Maculaerkrankungen und Netzhautablösungen sind die Folge. Jörg Hildebrandt: „Hier sollten Lebensführung, Schulmedizin und Homöopathie zusammenarbeiten. Es gibt zwar die Notbremsen Laser und Netzhautoperation, doch wenn die Netzhaut sich längere Zeit abgelöst hat, hilft nichts mehr. Die sogenannte Diabetische Retinopathie gehört leider zu den häufigsten Erblindungsursachen in der westlichen Welt.“

Manchmal hilft nur die Operation
In vielen Fällen sind Augenerkrankungen degenerative Erkrankungen. So ist der graue Altersstar eine Trübung der Augenlinse, die sich nicht verjüngen kann. Hier stehen heute hervorragende Operationsmöglichkeiten zur Verfügung. Das chronische Glaucom (früher Grüner Star) ist ein schmerzloses, unumkehrbares Zugrundegehen von Sehnervenzellen. Der Augendruck ist dabei der (mit Tropfen, allenfalls mit Operation) am besten beeinflussbare Risikofaktor, die Homöopathie kann zusätzlich bei der Drucksenkung und Wiederherstellung der Autoregulation im Auge helfen.

Tipps und Tricks vom Augenarzt

• Sauberes Wasser ist das beste Heilmittel.
Der so oft empfohlene Kamillentee gehört in den Magen und nicht ins Auge: er verengt zwar die Gefäße, sodass das entzündete Auge weißer wird, löst aber bei sehr vielen Menschen Allergien aus. Noch gefährlicher ist die vor einigen Jahren beliebt gewesene „Harntherapie“ im Auge – nicht wegen der Allergien sondern wegen möglicher sehr gefährlicher Infektionen!

• Kneipen Sie bei Lidrandentzündung (und trockenem Auge).
Ein- bis zweimal täglich zur Gesichtswäsche die Lidränder mit einem warmen Waschlappen horizontal ausstreichen, dann kalt/warm wechseln lassen: regt die Drüsentätigkeit an, beugt Gerstenkörnern vor, und reduziert Bakterien

• Tupfen Sie tränende Augen Richtung Nase aus.
Wenn das Auge tränt, nicht nach unten wischen, sondern mit einem sauberen Taschentuch nach oben Richtung Nase tupfen. Das beugt dem Ausleiern des schlaffer werdenden Unterlides vor, gleichzeitig wird der echte Tränensack (innerer unterer Lidwinkel) ausgepresst. Damit wird wieder die Anzahl an Bakterien reduziert. Homöopathisch kommen die Mittel Pulsatilla, Silicea, Lycopodium, Phosphor, Calcium carbonicum etc. zum Einsatz.

• Hüten Sie Ihre Augen wie Ihren Augapfel.
Die häufigsten Unfallursachen sind Splitter von Hammerschlägen auf Fliesen, zurückschnalzende Spanngummis, Silvesterraketen und Sektkorken. Verwenden Sie Schutzbrillen, mechanische Sicherheits-Spannhilfen ohne Gummizug. Richten Sie Sektkorken immer von Augen und Wänden weg, halten Sie sich von gezündeten Feuerwerkskörpern fern. Arbeiten Sie konzentriert!

• Verzichten Sie auf die Zigarette.
Rauchen ist ein starker Risikofaktoren für trockenes Auge, Schlupflider (im Rahmen der allgemeinen Hauterschlaffung), Basedow-Augen (Schilddrüsenerkrankung) , Maculopathie (Erkrankung der Netzhautmitte), Glaukom (umstritten), sowie Durchblutungsstörungen und Gefäßverschlüsse des Auges,

• Setzen Sie eine Sonnenbrille auf.
Guter UV-Schutz schützt die Netzhautmitte. Sonnenbrillen ohne UV-Schutz sind schädlicher als gar keine Brille, sollten in Österreich aber nicht mehr erhältlich sein.

• Sonnencreme für die Lider
Achten Sie beim Eincremen des Gesichtes besonders auf die Unterlider und den Lid-Nasen-Winkel sowie auf die Ohren: Hier können Basaliome (Hauttumore) als Sonnenschaden entstehen – auch ohne Sonnenbrand.

Dr. Jörg Hildebrandt ist Facharzt für Augenheilkunde und Oberarzt am Landesklinikum St. Pölten